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Social Recruiting – bringt das was, oder kann das weg?

Social Recruiting ist auch wieder so ein Begriff, unter dem man sich alles und auch nichts vorstellen kann. Deshalb hier eine Erklärung dessen, was Social Recruiting ist, was die Vorteile sind und was es eben nicht ist. Nur eine Stellenanzeige auf Social Media zu posten, hat herzlich wenig mit Social Recruiting zu tun und schöpft nicht einmal annähernd die Möglichkeiten aus, die die sozialen Medien dir und deiner Firma zur Mitarbeitergewinnung bietet.

Social Recruiting ist eben nicht einfach nur das gleiche Schema F, nur auf einer anderen Plattform durchgezogen, sondern eine, an die heutigen Entscheidungsfindungen angepasste Vorgehensweise.

Heute treffen wir Entscheidungen anders, als noch vor 10 Jahren. Wir informieren uns, schauen nach Profilen in den sozialen Medien, fragen Dr.Google, lesen vielleicht einen Artikel, oder eine Bewertung. Dies geschieht lange bevor wir Kontakt aufnehmen, lange bevor wir uns für eine Bewerbung entscheiden. Häufig zwischen Tür und Angel, auf dem Heimweg in der Bahn, zwischen zwei Terminen, oder wenn es sonst gerade gut passt.

 Finde ich als Interessent nichts über dich im Internet, oder nur wenig aussagekräftiges, werde ich mich höchstwahrscheinlich nicht bei dir bewerben. Nicht auffindbar zu sein ist schließlich auch eine klare Aussage.

Das ist ein Schlüsselpunkt im Social Recruiting. Es dient der Entscheidungsfindung, bevor du überhaupt Kontakt zum Bewerber hattest. Es hilft, Vertrauen aufzubauen, Hürden abzubauen. Du weißt nicht, wer sich alles nicht bei dir bewirbt.

Nur Stellenanzeigen auf Social Media zu veröffentlichen, ist zu kurz gesprungen.

Stellenanzeigen auf Social Media sind wie Werbung, ja, an einem anderen Ort, als auf Jobbörsen, dennoch Werbung. Sie sind einfach für das Unternehmen. Die Kommunikation ist einseitig, die Rollen klar verteilt. Es gibt einen Sender, das Unternehmen und einen Empfänger – den potenziellen Bewerber. Die Kommunikation des Unternehmens beschränkt sich darauf, die freie Stelle zu kommunizieren. Der weitere Aufwand beschränkt sich auf ein paar Bewerbungen und eventuelle Nachfragen von Interessenten. Das hat natürlich den Vorteil eines geringen Aufwandes von Unternehmensseite. Der Nachteil ist, dass es nur einen Berührungspunkt, nämlich die Stellenanzeige, gibt. Die geht schnell unter im allgemeinen Rauschen der täglichen Informationsflut.

Social Media gibt dir die Möglichkeit, dich als Unternehmen ausführlich darzustellen, damit dein Interessent eine gut informierte Entscheidung treffen kann.

Bei einer Stellenanzeige musst du aus dem Stand, mit nur einer Anzeige einen Menschen überzeugen, sich bei dir zu bewerben. Also das, was keine Werbeanzeige und kein Fernsehspot schaffen. Werbung lebt von der Wiederholung und deine Stellenanzeige ist Werbung. Nicht für dein Produkt, sondern für einen Arbeitsplatz.

Auf den sozialen Medien kannst du Schritt für Schritt potenzielle Bewerber von dir als Arbeitgeber überzeugen. Du kannst mit Bildern Einblicke geben, du kannst etwas zu verschiedenen Teilaspekten der Firma posten, du kannst Einblicke in den Job als solchen geben, du kannst etwas über dein Team, deinen Antrieb, deine Ziele, deinen Standort, deine benefits, Posten. Über Projekte, außergewöhnliches usw. Du kannst also deiner Firma ein Gesicht, ein Profil, eine erlebbare Geschichte geben.

Wenn du daran denkst, wie Entscheidungsfindung heute abläuft, ein riesiger Vorteil.

Da ist es geradezu fahrlässig, nur eine Stellenanzeige zu schalten.

Die Power von social Recruiting liegt darin, dass du aktiv zur Meinungsbildung beitragen kannst.

Wenn du dir eine Community von Followern und regelmäßigen Lesern aufgebaut hast, dann ergibt es Sinn, bei Bedarf eine Anzeige zu schalten. Die braucht dann häufig nicht einmal kostenpflichtig zu sein. Sie fällt auf einen gut vorbereiteten Boden und kann so viel erfolgreicher sein.

Sicherheit durch Sichtbarkeit.

Wenn ich als Leser regelmäßig etwas von dir sehe, entsteht Vertrauen, entsteht ein Gefühl von Sicherheit. Ich muss nicht einmal mit dir übereinstimmen, es reicht, dass ich dich regelmäßig beim scrollen durch meinen feed sehe. Dein Logo, dein Profilbild, die Überschrift deiner Posts. Ab und an mal lese ich vielleicht einen kompletten Post, der mir interessant zu sein scheint.

Der Effekt ist der gleiche, wie wenn ich auf dem morgendlichen Weg zur Arbeit täglich an deinem Firmengebäude vorbeikäme. Ich würde Vertrauen zu dir aufbauen, weil ich dich verorten kann, dich zuordnen kann.

Den gleichen Effekt kannst du auf Social Media nutzen.

Was gehört noch dazu? Stichwort Customer Journey.

Wichtiger als perfekt zu sein ist es stringent zu sein.

Es gibt ja verschiedene Berührungspunkte, sog. Touchpoints mit deinem Unternehmen. Die werden wichtiger, in dem Maße, in dem der Interessent seine Entscheidung, sich zu bewerben, ohne dich trifft.

Diese Touchpoints müssen ein stringentes Bild ergeben. Es nützt dir nichts, wenn du eine poppige Anzeige für eine junge Zielgruppe schaltest und die Landing-Page, auf die du geführt wirst, dann aussieht, wie von Anno dazumal.

Es nützt dir auch nichts, wenn du einen Kommunikationskanal aufmachst (WhatsApp bietet sich hier als Beispiel an), den dann aber nicht bedienen kannst, weil niemand die Zeit hat, Anfragen auch schnell zu bedienen.

Kommunikation auf Augenhöhe

Das Social in Social Media ist ein weiterer wichtiger Punkt. Jeder like, jeder Kommentar ist eine Einladung zur Kommunikation, direkt mit dem Interessenten. Von Mensch zu Mensch. Ohne viel Aufwand kannst du die Interessenten und die Interessenten dich kennenlernen.

Diese Möglichkeit zur direkten Kontaktaufnahme, lange bevor deine Interessenten die Entscheidung treffen, sich zu bewerben, ist einzigartig und die große Stärke von Social Media und dem social Recruiting.

Die Entscheidung, sich zu bewerben ist viel weitreichender, als unter einem Post ein Gespräch anzufangen. Hier bietet sich den Interessenten die Möglichkeit, mehr über dein Unternehmen herauszufinden und in den direkten Austausch zu gehen, ohne viel von sich preiszugeben. Das bedeutet, die Schwelle um Kontakt aufzunehmen ist sehr gering und erst einmal unverbindlich. Ganz anders, als es ein Anruf, oder eine Mail wäre.

Dieser Kontakt kann aber, wenn gut genutzt, zu einer Bewerbung im weiteren Verlauf führen.

Wenn du dich also dafür entscheidest, social Recruiting für dich zu nutzen, ist es wichtig, die Kommentare unter deinen Posts auch zu beantworten und in Interaktion zu treten. Nur so kannst du die ganze Kraft des social Recruitings für dich nutzen.

Für mich ist das social Recruiting die Personalgewinnung der Zukunft. Menschen arbeiten bei Menschen und wenn es dir gelingt, dich von Anfang an gut zu positionieren, gibt es keine andere Methode, mit der du leichter die passenden Interessenten erreichen kannst.

“Bei uns funktioniert das nicht”

Sicher gibt es einige wenige Zielgruppen, die schwer über social Media erreichbar sind. Bei den meisten ist die Frage allerdings nicht, ob du sie erreichen kannst, sondern auf welcher Plattform.

Linkedin und Xing eignen sich mehr für kaufmännische Berufe, für Stellen in der IT und Jobs, die ein Studium, oder einen ähnlichen Abschluss voraussetzen. Außerdem hast du hier den Vorteil, dass es sich um Business Netzwerke handelt, die Menschen hier also offener für Job bezogene Anfragen sind.

Auf Facebook triffst du eher Menschen ab 30, aber auch Menschen aus handwerklichen oder gewerblichen Berufen. Nachteil ist, dass die Menschen hier im Freizeitmodus unterwegs sind und dadurch weniger offen für Job bezogene Anfragen.

Gleiches gilt für Instagram, nur dass hier der Altersdurchschnitt niedriger ist. Die Suche nach Azubis sollte also eher hier stattfinden. Auf Instagram sind Bilder und Videos das wichtigste Kommunikationsmittel. Text ist weniger wichtig. Das macht die Mitarbeitergewinnung für manche Branchen zur Herausforderung. Wenn du aber z.B. im Handwerk unterwegs bist und du häufig Bilder von umgesetzten Projekten posten kannst, kann das ein großer Vorteil sein.

Du siehst, es gibt nicht die eine Lösung, es gibt nur deine Lösung. Abhängig von Branche, Zielgruppe und der zu besetzenden Stelle. Es kann also sein, dass du im falschen Teich gefischt hast.

“Wir haben schon viel Geld auf social Media verbrannt, ohne Ergebnis.”

Das liegt häufig daran, dass Unternehmen die sozialen Medien eben nutzen, wie eine Jobbörse und nicht wirklich die Stärken nutzen, die diese Plattformen zu bieten haben.

Ich kenne auch Beispiele, wo es einfach kein klares Konzept, keine klaren Zuständigkeiten und auch keine klare Zielgruppe gab. Das kann nur in die Hose gehen, liegt dann aber nicht an den Plattformen, sondern an nicht gemachten Hausaufgaben.

Diese Punkte möchte ich dir ans Herz legen, wenn du erfolgreich Mitarbeiter über die sozialen Medien für dein Unternehmen gewinnen möchtest:

Wen willst du ansprechen?

Wähle deinen Social Media Kanal entsprechend

Was macht uns als Firma aus? Was ist uns wichtig?

Orientiere deinen Auftritt daran.

Was interessiert Menschen, die bei mir arbeiten wollen?

Schreibe darüber, nicht darüber, was du vielleicht interessant findest.

  • Nutze die Möglichkeiten der direkten Interaktion und zwar proaktiv. Schreibe Menschen an, die deinen Beitrag kommentiert haben. Eröffne ein Gespräch, zeige dich.
  • Schaue, dass die gesamte Reise des potenziellen Bewerbers einheitlich verläuft. Versuche lieber einen Kanal richtig zu bespielen, als drei ein wenig. Social Recruiting ist kein Sprint, sondern eher Langstrecke.
  • Gut ablaufende Prozesse für die Erstellung von Inhalten und regelmäßige Postings sind die beiden größten Stolpersteine. Hier trennt sich die Spreu vom Weizen.
  • Nutze das volle Potenzial der sozialen Medien für dein Recruiting, statt nur Stellenanzeigen zu schalten.